Meine Reise an die Eurobike 2010

Es gibt viele Wege zum Ziel, das Ziel dieser Reise war die Eurobike-Messe in Friedrichhafen. Da der direkt Weg nur selten auch der Schönste ist, sind wir zuerst nach Westen gereist, um später im Osten anzukommen. In Lausanne an der Seepromenade gelangten wir auf die Rhone Route vom undefinedVeloland-Schweiz-Netzwerk. Dieser folgten wir entlang dem Ufer des Lac Leman.


Bis nach Montreux verläuft die Route abwechslungsweise am Seeufer, auf Landwirtschaftsstrassen in den Rebbergen und teilweise auf der Hauptstrasse. Danach wird es richtig schön, am Ende des Lac Lemans durchquert man ein Naturschutzgebiet und fährt dann auf dem Rhone-Damm in Richtung Martigny mehrheitlich auf verkehrsfreien Wegen. In dem kleinen Städtchen mit hektischem Verkehr und schönen alten Häusern endet unsere erste Etappe. Die Strecke war bis hier nahezu flach und der Wind, welcher im Wallis oft Tal aufwärts weht, hat uns zusätzlich unterstützt.


Von Martigny führt die Route bis nach Sierre auf den Rhone-Dämmen, am Wochenende ist der Weg eine rege genutzte Velobahn, welche vorbei an Aprikosen- und Apfelplantagen gesäumt von mächtigen Bergen durch den Talgrund führt. Wer die grösseren Städte wie Sion oder Sierre und das Verkehrschaos meiden möchte, kann einfach auf dem Damm weiterziehen und die Städte umfahren. In Susten haben wir direkt am Rande des undefinedNaturparkes Pfyn übernachtet.


Der Pfynwald ist einer der grössten Föhrenwälder der Alpen. Steppen, urwaldähnliche Abschnitte, Teiche, Biotope für zahlreiche, teils sehr seltene, Vögel und artenreiche Blumenwiesen prägen diese Landschaft. Oberhalb von Susten führt die spektakuläre Bhutan-Hängebrücke über den Illgraben, der grössten Rutschbahn der Welt. Die Brücke ist ein Bindeglied zwischen Kulturen, zwischen Bhutan und der Schweiz, aber auch zwischen dem deutschsprachig Teil des Wallis im Osten und dem französischsprachigen Teil im Westen des Illgrabens.


Von Susten führt die Route weiter der Rhone entlang bis nach Visp, hier haben wir leider im Verkehrs- und Baustellenchaos den Veloweg verloren und sind auf der vielbefahrenen Hauptstrasse nach Brig gelangt. Das Ziel dieser Etappe ist das Gomser Bergdorf Ernen. Von Brig führt die Route mässig ansteigend nach Mörel danach wird es bis nach Ernen ziemlich steil. Wer diese Steigung nicht aus eigener Kraft bezwingen möchte, kann von Brig mit der Matterhorn-Gotthardbahn bis nach Lax fahren. Der Aufstieg nach Ernen fordert noch etwas Kraft und Schweiss ist aber auch mit Gepäck gut zu fahren. Die wunderbare Berglandschaft und das malerische Dorf sind die Anstrengungen mehr als wert.


Ernen ist Teil des undefinedLandschaftspark Binntal, welcher zu ausgedehnten Wander- und Biketouren in einer wunderschönen zum Teil sehr wilden Berglandschaft einlädt. Die Region ist mit dem öV sehr gut erschlossen, auf den Postauto Linien können Velos mitgeführt werden und mit dem Bus Alpin gelangt man auch in abgelegene Weiler. Sehr empfehlenswert ist ein kleiner Einkaufbummel im Laden undefined„Waren aller Art“ im Zentrum von Ernen. Der kleine Bioladen bietet auserlesene Kräuter und Teemischungen, welche gleich um die Ecke auf dem Berglandhof angebaut werden, und aller Hand spannende Waren an. Wem der Weg nach Ernen zu lang erscheint aber trotzdem leckeren Tee trinken möchte, kann diesen auch Online bestellen.


Von Ernen führt uns die nächste Etappe nach Mühlebach, das Dorf hat den ältesten erhaltenen Kern der Schweiz in Holzbauweise. Zwischen Steinhaus und Blitzingen finden wir entlang dem Veloweg eine spannende LandArt Ausstellung. Die Ausstellung dauert noch bis zum 15.Oktober 2010 und ist frei zugänglich. Das Wetter in Oberwald am Ende des Tales war ziemlich schlecht, feiner Nieselregen begleitet von Sturmböen erschwerte unser Vorwärtskommen. Wir haben uns deshalb entschieden den Furka- und den Oberalp-Pass mit der Zahnradbahn zu über resp. unterqueren und sind mit dem Regionalzug nach Sedrun gefahren. Auf der Bündner Seite genossen wir dann noch die schöne Abfahrt bis nach Disentis.


Wir befinden uns mittlerweile auf der Veloland Schweiz Rheinroute No 2, sie führt uns von Disentis nach Chur. Der erste Teil des Weges ist technisch sehr anspruchsvoll und gleicht eher einer MTB Strecken denn einem Radwanderweg. Für schmal bereifte Randonneure und Rennvelos ist dieser Teil der Route definitiv nicht geeignet. Ab dem Städtchen Illanz folgt die Route der Strasse und schlängelt sich hoch über dem Rhein durch das Tal. Der Verlauf der Strasse und die Aussicht sind teils spektakulär und eine gute Entschädigung für die leichte aber stetige Steigung der letzten Kilometer. Am Abend kommen wir in Chur an, uns fällt gleich der Lärm der Autobahn auf, welche das Tal erfüllt; Geräusche, welche es die letzten Tage inmitten der Bergwiesen mit den zirpenden Grillen kaum gab.


Es hat die ganze Nacht geregnet, auf den umliegenden Gipfeln liegt wie Puderzucker der erste Schnee. Der Wetterbericht verheisst nichts Gutes, aber was ist schon eine Vorhersage, einmal mehr erfahre ich, dass man die getrost ignorieren kann. Die Wolken reissen auf und die Sonne zeigt sich scheu. Wir fahren dem Rhein entlang Richtung Sargans, leider können wir von dem leichten Gefäll nicht profitieren, der Gegenwind ist deutlich stärker. In Sargans teilt sich das Tal, linker Hand führt es weiter Richtung Walen und Zürichsee. Rechts führt die Rheinroute weiter Richtung Bodensee. Wir folgen der Route auf dem Rheindamm bis nach Buchs. Der Veloweg verläuft parallel zur Autobahn, auch wenn diese meist nicht sichtbar ist, stört der Lärm das ungetrübte Naturerlebnis, deshalb ist das rechte Rheinufer im Fürstentum Lichtenstein die bessere Wahl. In Schaan endet diese Etappe, wir erkunden das Fürstentum, aber eigentlich ist hier nicht Vieles anders als in der benachbarten Schweiz, nur lässt sich die „Unabhängigkeit" touristisch sicher besser vermarkten.


Von Schaan führt unser Weg weiter dem Rhein entlang Richtung Bodensee. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, die Szenerie mit all den Berggipfeln, welche uns umgeben, ist einmalig. In Rüthi verlassen wir den Rheindamm und fahren mehrheitlich auf Landwirtschaftsstrassen durch die ländlich geprägte Landschaft vorbei an Maisfeldern und grasenden Kühen, immer wieder unterbrochen durch kleine Dörfer mit ausgedehnten Einfamilienhaus Siedlungen. Hier sind die Bünzlis zu Hause, keinen Zweifel, sterile Gärten mit perfekt getrimmten Buchs- und Thuya-Hecken neben sorgfältig gepflegten Einfahrten, in denen der Zweitwagen steht. Eine Welt, die Träume und Sehnsüchte aufsaugt und mit Mittelmässigkeit vernichtet. Orte, an denen ich nicht bleiben möchte, weil sie mich meiner Freiheit berauben. So landen wir an diesem Tag in Romanshorn, von wo uns am nächsten Tag die Fähre nach Friedrichshafen an die Eurobike bringen wird. Auf dem Bahnhofsplatzt begegnen wir MocMoc, der sympathischen Statue, welche dieses Städtchen einst in Aufruhr versetzte, aber dies ist eine andere Geschichte, welche man undefinedhier nachlesen kann.





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